Freundschaftsanfrage abgelehnt
Free Basics. So nennt Facebook sein Produktangebot für eine
bessere Welt im Rahmen der Initiative „Internet.org“, die die Aura einer vom
viel zitierten kalifornischen Fortschrittsgeist durchtränkten Wohltätigkeitsveranstaltung
verströmt. Dabei lässt der Name der Initiative eigentlich keinen Zweifel daran,
worum es Facebook wirklich geht: das Internet, es soll den Namen Facebook tragen.
So soll es den zukünftigen Nutzern, die das Internet bisher noch gar nicht
anders kennen, jedenfalls glauben gemacht werden. Zum Beispiel in Indien. Damit
der Coup gelingt, war eine PR-Kampagne in zweistelliger Millionenhöhe anberaumt
worden, um auch noch den letzten Zweiflern gedanklich auf die Sprünge zu helfen.
Denkste!
Denn Facebook ist - mal wieder - zu weit gegangen. Indem
sich das Unternehmen zwischen die Nutzer und die Inhalte eines offenen Netzes
stellt, will Facebook mit Free Basics die Netzneutralität schlichtweg abschaffen.
Das, was Facebook nach außen hin „spendiert“ (Nulldatentarif,
Infrastrukturtechnologie), ist ein vergleichsweiser geringer Preis für das, womit
der Nutzer langfristig zahlen soll. Wer die Netzneutralität angreift, möchte
das Internet in einen Raum von Partikularinteressen verwandeln, in dem
ausschließlich das Recht des Stärkeren gilt, in einen Raum also, in dem die
Ärmeren am Ende vielleicht noch ärmer da stehen als am Anfang. Die indische
Telekommunikationsaufsichtsbehörde TRAI hat das ganz nüchtern festgestellt.
Ob kostenloses Internet in Indien, Hate
Speech-Ahnungslosigkeit in Europa oder die systematische Datenschutzignoranz, zu
Facebooks (Expansions-)Strategie scheint es zu gehören, einfach alle Schmerzgrenzen
zu überschreiten bis es irgendwann keinen mehr juckt. Und genau dieser Arroganz
ist das Unternehmen in Indien jetzt zum Opfer gefallen. Denn Menschen
mögen es nicht, wenn man sie bevormundet. Sie möchten selbst bestimmen, wie die
(Internet-)Zukunft aussehen soll. Und dazu brauchen sie Facebook momentan einfach nicht.
Das kleine indische Mädchen auf der Internetseite von
internet.org hat sich gegen die Weltherrschaft von Facebook entschieden. Dem
Autor dieses Kommentars gefällt das.