Montag, 15. Februar 2016

//IMHO, Free Basics

Freundschaftsanfrage abgelehnt

Free Basics. So nennt Facebook sein Produktangebot für eine bessere Welt im Rahmen der Initiative „Internet.org“, die die Aura einer vom viel zitierten kalifornischen Fortschrittsgeist durchtränkten Wohltätigkeitsveranstaltung verströmt. Dabei lässt der Name der Initiative eigentlich keinen Zweifel daran, worum es Facebook wirklich geht: das Internet, es soll den Namen Facebook tragen. So soll es den zukünftigen Nutzern, die das Internet bisher noch gar nicht anders kennen, jedenfalls glauben gemacht werden. Zum Beispiel in Indien. Damit der Coup gelingt, war eine PR-Kampagne in zweistelliger Millionenhöhe anberaumt worden, um auch noch den letzten Zweiflern gedanklich auf die Sprünge zu helfen.

Denkste!

Denn Facebook ist - mal wieder - zu weit gegangen. Indem sich das Unternehmen zwischen die Nutzer und die Inhalte eines offenen Netzes stellt, will Facebook mit Free Basics die Netzneutralität schlichtweg abschaffen. Das, was Facebook nach außen hin „spendiert“ (Nulldatentarif, Infrastrukturtechnologie), ist ein vergleichsweiser geringer Preis für das, womit der Nutzer langfristig zahlen soll. Wer die Netzneutralität angreift, möchte das Internet in einen Raum von Partikularinteressen verwandeln, in dem ausschließlich das Recht des Stärkeren gilt, in einen Raum also, in dem die Ärmeren am Ende vielleicht noch ärmer da stehen als am Anfang. Die indische Telekommunikationsaufsichtsbehörde TRAI hat das ganz nüchtern festgestellt.

Ob kostenloses Internet in Indien, Hate Speech-Ahnungslosigkeit in Europa oder die systematische Datenschutzignoranz, zu Facebooks (Expansions-)Strategie scheint es zu gehören, einfach alle Schmerzgrenzen zu überschreiten bis es irgendwann keinen mehr juckt. Und genau dieser Arroganz ist das Unternehmen in Indien jetzt zum Opfer gefallen. Denn Menschen mögen es nicht, wenn man sie bevormundet. Sie möchten selbst bestimmen, wie die (Internet-)Zukunft aussehen soll. Und dazu brauchen sie Facebook momentan einfach nicht.

Das kleine indische Mädchen auf der Internetseite von internet.org hat sich gegen die Weltherrschaft von Facebook entschieden. Dem Autor dieses Kommentars gefällt das.