Eine neue Schnittstelle für alles
Viele
digitale Assistenten stecken noch in den Kinderschuhen und eignen sich gerade
mal für Alltäglichstes wie sprachgesteuerte Kalendereinträge, die Suche nach
dem nächstgelegenen Restaurant oder die Routenplanung für den Wochenendausflug.
Viv geht einen Schritt weiter, indem es die Sprachsteuerung für das Smartphone
mit dem Internet der Dinge verknüpft. Die neue Technologie der Siri-Entwickler
zur intuitiven Interaktion mit Geräten und Diensten weltweit tritt an, sich als
universelle Plattform für das gesamte Netz zu etablieren.
Was Dag Kittlaus auf der Disrupt 2016 in New York vorzuführen hatte war schlichtweg erstaunlich. Wer träumt
nicht davon, nach einem lang gewordenen Abend mit dem besten Freund oder der
besten Freundin an der Bar, am Morgen danach mit nur einem gesprochenen Satz die
Schulden der letzten Nacht zu begleichen. Oder davon, in der Mittagspause mit
dem Smartphone bequem die Blumen zum Muttertag zu bestellen, ohne sich dafür irgendwo
anmelden und auf einer viel zu kleinen Smartphone-Tastatur lange Formulare
ausfüllen zu müssen. Einfach die Bestellung ins Smartphone gesprochen und
fertig. Mit Viv geht das.
Diese Welt ist keine Insel
Anders als Siri und Cortana, die
digitalen Assistenten von Apple und Microsoft, funktioniert Viv
herstellerübergreifend und lässt sich so auf jedem beliebigen Gerät immer
gleich verwenden. So muss z. B. nicht für jede proprietäre
Spracherkennungstechnologie ein neues Vokabular an Schlüsselwörtern erlernt
werden. Der eigentliche Clou an Viv ist jedoch, dass die Plattform eine direkte
Brücke zur Waren- und Dienstleistungswelt
im Internet schlägt. Das Telefon wird so - dem Prinzip nach - zu einem
intelligenten mobilen Portal (inkl. Kreditkarte) für alle im Netz verfügbaren
Dienste und Services. Die der Plattform zugrundeliegende Software schreibt sich
mit jeder Interaktion selbstständig fort und wird dadurch nicht nur immer
schlauer, sondern bleibt auch skalierbar, d. h. sie kann im großen Maßstab eingesetzt
werden. Warum Skalierbarkeit in diesem Fall so wichtig ist zeigt sich an einem
Vergleich mit „M“, dem digitalen Assistenten von Facebook, mit dem das soziale
Netzwerk als Absatzkanal für Unternehmen interessanter werden möchte. M befindet
sich noch in der Beta-Phase. Da das Programm viele natürliche Anfragen seiner
Nutzer (noch) nicht versteht, arbeiten Menschen im Hintergrund daran, die gewünschte
Dienstleistung „manuell“ umzusetzen und das Programm per Hand fortlaufend zu
optimieren. Da kann es schon mal passieren, dass das intelligente Helferlein
bei einer schwierigen Anfrage einfach ganz verstummt und sich erst mit einer
Verspätung von zwei Stunden wieder zurückmeldet. Das lässt - angesichts von
über 1,5 Mrd Facebook-Nutzern - bei manchem Zweifel aufkommen, wie einsätzfähig
Facebook M im Alltag wirklich ist. Mal ganz abgesehen davon, dass nicht jeder -
aus welchen Gründen auch immer - seine Einkäufe über Facebook abwickeln möchte.
Viv ist dagegen ein offener Standard und lässt sich im Prinzip auf jedem Gerät
der Welt einsetzen.
„Getting things done“ statt Soft Skills
In der Diskussion, wie sich
künstliche Intelligenz in Zukunft am besten in den Alltag integrieren lässt,
werden oft auch weiche Faktoren ins Feld geführt. So sollen z. B. Chatbots besonders
klug und gewitzt sein, damit wir uns gerne mit ihnen unterhalten. Der Versuch
einer Unterhaltung mit „Poncho“, der Wetterkatze im Facebook-Messenger, endet
jedoch meist so: „So, I'm good talking about the weather. Other stuff not so
good.“ Das liegt daran, dass es sich bei Chatbots ihrer Anlage nach nicht um
wirklich künstlich intelligente Systeme sondern eher um einfache Dialogsysteme
handelt, die auf der Zuordnung von Standardsprachversatzstücken zu
vorformulierten Antwortsätzen in einem eng umgrenzten Themenbereich basieren. Und
das merkt man dann eben auch. Die soziale Kompetenz ist im Prinzip nur
vorgegaukelt. Nichtsdestotrotz können Chatbots sehr praktisch sein. In China
ist es beispielsweise unter Jugendlichen durchaus üblich, per Chatbot Kinotickets
zu bestellen. Allemal besser, als für Minuten in einer Telefonwarteschleife festzuhängen.
Und für Unternehmen sind Chatbots eine kostengünstige Alternative, einen passablen
Kundenservice anzubieten, der zum Lifestyle einer jungen und technikaffinen Generation
passt. Viv hingegen lässt diesen kommunikativen Aspekt völlig außer Acht und
konzentriert sich ausschließlich auf eine intuitive Sprachbedienung und die
möglichst intelligente Verknüpfung verschiedenster Informationen. Die neue
Technologie könnte damit das Anliegen der meisten Nutzer befriedigen, nämlich
dass Dinge einfach möglichst schnell erledigt werden und die künstliche
Intelligenz sonst nicht weiter in Erscheinung tritt.
Ist das die Zukunft?
Viv positioniert sich als neue,
universelle Plattform für das Internet der Dinge und einen selbst
hinaufbeschworenen Marktplatz der Zukunft und könnte damit langfristig zahlreiche
Apps und auch manuelle Eingaben über die Suchmaschine überflüssig machen. Mit
diesem Ansatz kratzt Viv am Gatekeeper-Monopol von Google, Facebook, Apple oder
auch Amazon. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, wie die großen Konzerne darauf
reagieren werden.