Dienstag, 10. November 2015

// Soziale Roboter

Charmeoffensive aus der Maschinenwelt - über die Versuche, soziale Roboter in den menschlichen Alltag zu integrieren

Die ersten Versuche, Apparate zu konstruieren, die dem Menschen ähneln, waren die Roboter. Genau genommen die humanoiden Roboter, die - anders als irgendwelche Industrieautomaten - der Physiognomie des Menschen nachempfunden waren: der Roboter als künstlicher Mensch. Berühmte humanoide Roboter sind z. B. ASIMO von Honda, Qrio von Sony, der vom Bio-Mimetic Control Research Center entwickelte Ri-man oder Nao von Aldebaran Robotics.

Roboter, die sind wie wir. Wollen wir das wirklich? Was macht einen Roboter menschlich?
Eine erste spontane Antwort würde vielleicht so lauten: Eine Maschine, der wir menschliche Eigenschaften zuschreiben, ist eine Maschine, die uns möglichst ähnlich ist, eine Maschine also, die aussieht wie wir, die sich bewegt wie wir und die sich verhält wie wir. Ein Roboter mit Charakter sozusagen.

Doch bereits mit dem Aussehen ist das so eine Sache. Das wissenschaftlich erforschte Phänomen des „Uncanny Valley“, nach dem die Akzeptanz eines Roboters mit zunehmender Menschenähnlichkeit immer weiter steigt, ab einem gewissen Grad dann aber rapide abfällt und erst bei fast erreichter mimetischer Perfektion wieder moderat zunimmt, zeigt, dass die Menschenähnlichkeit eines Maschinenwesens schnell ins Unheimliche abdriftet. Das unangenehme Gefühl beim Anblick eines dem Erscheinungsbild des Menschen detailgetreu nachempfundenen Roboterwesens mag auch daher rühren, dass wir ungern an das Mechanische und Maschinenhafte unserer Existenz erinnert werden und dies in der Regel verdrängen. Wir begreifen uns lieber als emotionale und (mit-)fühlende Wesen.

Das Unternehmen Hanson Robotics schreckt dies nicht ab, möglichst menschenähnliche Roboter zu entwickeln, die laut Website - bezeichnenderweise - entweder für die Pflege von Alten und Behinderten eingesetzt oder an Jahrmärkte verkauft werden sollen. Neben der Alten- und Krankenpflege gelten die verhaltentherapeutische Unterstützung von psychisch Kranken und Behinderten, z. B. von autistischen Kindern, als klassische Anwendungsfelder für soziale Roboter. Die Roboter sollen Aufgaben übernehmen, die dem Menschen auf Dauer nicht zuzumuten sind.

Für einen konkreten Nutzen spielt dabei jedoch das realistische Erscheinungsbild eine eher untergeordnete Rolle. Die Roboter müssen vielmehr ein gewisses Maß an sozialer Intelligenz mitbringen, denn wir wollen unsere Mitmenschen nicht einfach einer seelenlosen Maschine anvertrauen. Auch müssen die Anwendungsfelder für soziale Roboter genau abgesteckt werden: Ein autistischer Junge hat andere Bedürfnisse als eine bettlägrige alte Frau.

Auch in der freien Wirtschaft übernehmen soziale Roboter immer öfter die Aufgaben von Menschen. Ein Pionierprojekt in Sachen sozialer Robotik ist dabei sicherlich das High-Tech-Hotel Henna in einem Vergnügungspark nahe Nagasaki im seit jeher roboteraffinen Japan. Oder auch das erste von Robotern betriebene Restaurant in Harbin. Im High-Tech-Hotel Henna wird der Gast von einer relativ charmant anmutenden Rezeptionistin mit einem netten Lächeln und einem dezenten Augenaufschlag begrüßt, während gleich nebenan die komische Miniaturausgabe eines Tyranosaurus Rex auf den Besucher wartet. Noch steht das Hotel ja in einem Vergnügungspark.

Und auch in Produktionsprozessen bemüht man sich zunehmend darum, Roboter menschlicher zu gestalten. Der Roboter wird durch seine wachsenden Interaktionsmöglichkeiten immer mehr zum „Kollegen“. Den Arbeitsrobotern Baxter und Sawyer des Unternehmens „Rethink Robotics“ reichen offensichtlich zwei Kulleraugen auf einem Tablet-Bildschirm, um als solche anerkannt zu werden, auch wenn eine diesen Sachverhalt eindeutig abklärende Umfrage unter den Mitarbeitern wohl noch aussteht. Denn für viele, vor allem unterqualifizierte Mitarbeiter, bedeutet die zunehmende Automatisierung auch die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz. Da wirkt es fast schon wie der blanke Hohn, wenn die redseligen Kollegen von früher auf einmal durch ein treudoof dreinblinzelndes Stahlungetüm ersetzt werden.

Und auch in die eigenen vier Wände sollen die sozialen Roboter Einzug halten. Die Evolution vom Saug- und Putzroboter zum persönlichen Assistenten hat längst stattgefunden. Bestes Beispiel dafür ist Jibo. Der Tischroboter des MIT, der für die Kommunikation der  Basisemotionen mit einer rudimentären Mimik auskommt, möchte vor allem durch seine Selbstständigkeit sowie seine zahlreichen Interaktionsmöglichkeiten überzeugen. Mithilfe zweier hochauflösender Kameras erkennt und verfolgt der Roboter Gesichter, schießt autonom Fotos und lässt sich als Videokonferenzlösung nutzen. Der per Sprachsteuerung bedienbare Roboter dient als Mitteilungs- und Erinnerungszentrale, lernt selbstständig dazu und macht sich die Funktionsprinzipien des „Affective Computing“ zur Erkennung emotionaler Zustände zunutze, um sich dem sozialen Verhalten seiner Interaktionspartner anzupassen.

Die soziale Robotik bleibt eine Gradwanderung zwischen zwei Welten, der Welt der Menschen und der Welt der Maschinen. Dabei geht es auch um die Verhandlung sinnvoller Schnittmengen aus beiden Universen. Neben (erwünschter) Effekthascherei, z. B. für den Unterhaltungsbereich, probieren sich die Hersteller in immer neuen Anwendungsszenarien für ihre Produkte, die in der Regel dann Erfolg haben, wenn sie für einen möglichst spezifischen Zweck ausgelegt sind. Viele Projekte haben aufgrund des aktuellen Entwicklungsstands häufig noch experimentellen Charakter. Einerseits fühlt sich der Benutzer mit einer Maschine in der Regel dann am wohlsten, wenn die Maschine als solche vom Menschen noch klar abgegrenzt werden kann; ein möglichst realistisches Erscheinungsbild ist uns häufig eher unheimlich. Außerdem muss das Verhalten der Maschine vom Benutzer gut einschätzbar sein, damit er Vertrauen fassen kann. Andererseits soll der Umgang auf möglichst „natürliche“ Art und Weise erfolgen, d. h. die maschinellen Züge eines Roboters sollen in den Hintergrund rücken, damit wir ihn als sozialen Partner ernst nehmen können. Die Erwartungshaltung an die Aufgaben und das Auftreten sozialer Roboter ist also durchaus als ambivalent einzustufen und stark kontextabhängig.

2 Kommentare:

  1. Hallo Chris, kleiner Hinweis: mein Arbeitgeber ist maechtig stolz auf seinen Roboter "Pepper"... Jo

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  2. cool. und was treibt der bei Euch so?

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