Charmeoffensive aus der Maschinenwelt - über die Versuche,
soziale Roboter in den menschlichen Alltag zu integrieren
Die ersten Versuche, Apparate zu konstruieren, die dem
Menschen ähneln, waren die Roboter. Genau genommen die humanoiden Roboter, die
- anders als irgendwelche Industrieautomaten - der Physiognomie des Menschen
nachempfunden waren: der Roboter als künstlicher Mensch. Berühmte humanoide
Roboter sind z. B. ASIMO von Honda, Qrio von Sony, der vom Bio-Mimetic Control
Research Center entwickelte Ri-man oder Nao von Aldebaran Robotics.
Roboter, die sind wie wir. Wollen wir das wirklich? Was
macht einen Roboter menschlich?
Eine erste spontane Antwort würde vielleicht so lauten: Eine Maschine, der wir menschliche Eigenschaften zuschreiben, ist
eine Maschine, die uns möglichst ähnlich ist, eine Maschine also, die aussieht
wie wir, die sich bewegt wie wir und die sich verhält wie wir. Ein Roboter mit
Charakter sozusagen.
Doch bereits mit dem Aussehen ist das so eine Sache. Das
wissenschaftlich erforschte Phänomen des „Uncanny Valley“, nach dem die
Akzeptanz eines Roboters mit zunehmender Menschenähnlichkeit immer weiter
steigt, ab einem gewissen Grad dann aber rapide abfällt und erst bei fast erreichter mimetischer Perfektion wieder moderat zunimmt, zeigt, dass die
Menschenähnlichkeit eines Maschinenwesens schnell ins Unheimliche abdriftet. Das
unangenehme Gefühl beim Anblick eines dem Erscheinungsbild des Menschen detailgetreu
nachempfundenen Roboterwesens mag auch daher rühren, dass wir ungern an das Mechanische und Maschinenhafte unserer Existenz erinnert werden
und dies in der Regel verdrängen. Wir begreifen uns lieber als emotionale und
(mit-)fühlende Wesen.
Das Unternehmen Hanson Robotics schreckt dies nicht ab,
möglichst menschenähnliche Roboter zu entwickeln, die laut Website -
bezeichnenderweise - entweder für die Pflege von Alten und Behinderten
eingesetzt oder an Jahrmärkte verkauft werden sollen. Neben der Alten- und Krankenpflege
gelten die verhaltentherapeutische Unterstützung von psychisch Kranken und
Behinderten, z. B. von autistischen Kindern, als klassische Anwendungsfelder
für soziale Roboter. Die Roboter sollen Aufgaben übernehmen, die dem Menschen auf
Dauer nicht zuzumuten sind.
Für einen konkreten Nutzen spielt dabei jedoch das realistische Erscheinungsbild eine eher untergeordnete Rolle. Die Roboter müssen vielmehr ein gewisses Maß an sozialer Intelligenz mitbringen, denn wir wollen unsere Mitmenschen nicht einfach einer seelenlosen Maschine anvertrauen. Auch müssen die Anwendungsfelder für soziale Roboter genau abgesteckt werden: Ein autistischer Junge hat andere Bedürfnisse als eine bettlägrige alte Frau.
Für einen konkreten Nutzen spielt dabei jedoch das realistische Erscheinungsbild eine eher untergeordnete Rolle. Die Roboter müssen vielmehr ein gewisses Maß an sozialer Intelligenz mitbringen, denn wir wollen unsere Mitmenschen nicht einfach einer seelenlosen Maschine anvertrauen. Auch müssen die Anwendungsfelder für soziale Roboter genau abgesteckt werden: Ein autistischer Junge hat andere Bedürfnisse als eine bettlägrige alte Frau.
Auch in der freien Wirtschaft übernehmen soziale Roboter immer
öfter die Aufgaben von Menschen. Ein Pionierprojekt in Sachen sozialer Robotik
ist dabei sicherlich das High-Tech-Hotel Henna in einem Vergnügungspark nahe
Nagasaki im seit jeher roboteraffinen Japan. Oder auch das erste von Robotern betriebene Restaurant in Harbin. Im High-Tech-Hotel Henna wird der Gast von
einer relativ charmant anmutenden Rezeptionistin mit einem netten Lächeln und
einem dezenten Augenaufschlag begrüßt, während gleich nebenan die komische Miniaturausgabe
eines Tyranosaurus Rex auf den Besucher wartet. Noch steht das Hotel ja in
einem Vergnügungspark.
Und auch in Produktionsprozessen bemüht man sich zunehmend
darum, Roboter menschlicher zu gestalten. Der Roboter wird durch seine
wachsenden Interaktionsmöglichkeiten immer mehr zum „Kollegen“. Den
Arbeitsrobotern Baxter und Sawyer des Unternehmens „Rethink Robotics“ reichen
offensichtlich zwei Kulleraugen auf einem Tablet-Bildschirm, um als solche anerkannt zu werden, auch
wenn eine diesen Sachverhalt eindeutig abklärende Umfrage unter den
Mitarbeitern wohl noch aussteht. Denn für viele, vor allem unterqualifizierte
Mitarbeiter, bedeutet die zunehmende Automatisierung auch die Sorge um den
eigenen Arbeitsplatz. Da wirkt es fast schon wie der blanke Hohn, wenn die
redseligen Kollegen von früher auf einmal durch ein treudoof dreinblinzelndes
Stahlungetüm ersetzt werden.
Und auch in die eigenen vier Wände sollen die sozialen
Roboter Einzug halten. Die Evolution vom Saug- und Putzroboter zum persönlichen
Assistenten hat längst stattgefunden. Bestes Beispiel dafür ist Jibo. Der
Tischroboter des MIT, der für die Kommunikation der Basisemotionen mit einer rudimentären Mimik auskommt,
möchte vor allem durch seine Selbstständigkeit sowie seine zahlreichen
Interaktionsmöglichkeiten überzeugen. Mithilfe zweier hochauflösender Kameras
erkennt und verfolgt der Roboter Gesichter, schießt autonom Fotos und lässt
sich als Videokonferenzlösung nutzen. Der per Sprachsteuerung bedienbare Roboter
dient als Mitteilungs- und Erinnerungszentrale, lernt selbstständig dazu und macht
sich die Funktionsprinzipien des „Affective Computing“ zur Erkennung
emotionaler Zustände zunutze, um sich dem sozialen Verhalten seiner
Interaktionspartner anzupassen.
Die soziale Robotik bleibt eine Gradwanderung zwischen zwei
Welten, der Welt der Menschen und der Welt der Maschinen. Dabei geht es auch um
die Verhandlung sinnvoller Schnittmengen aus beiden Universen. Neben
(erwünschter) Effekthascherei, z. B. für den Unterhaltungsbereich, probieren
sich die Hersteller in immer neuen Anwendungsszenarien für ihre Produkte, die in
der Regel dann Erfolg haben, wenn sie für einen möglichst spezifischen Zweck
ausgelegt sind. Viele Projekte haben aufgrund des aktuellen Entwicklungsstands
häufig noch experimentellen Charakter. Einerseits fühlt sich der Benutzer mit einer
Maschine in der Regel dann am wohlsten, wenn die Maschine als solche vom
Menschen noch klar abgegrenzt werden kann; ein möglichst realistisches
Erscheinungsbild ist uns häufig eher unheimlich. Außerdem muss das Verhalten
der Maschine vom Benutzer gut einschätzbar sein, damit er Vertrauen fassen
kann. Andererseits soll der Umgang auf möglichst „natürliche“ Art und Weise erfolgen,
d. h. die maschinellen Züge eines Roboters sollen in den
Hintergrund rücken, damit wir ihn als sozialen Partner ernst nehmen können. Die Erwartungshaltung an
die Aufgaben und das Auftreten sozialer Roboter ist also durchaus als ambivalent
einzustufen und stark kontextabhängig.
Hallo Chris, kleiner Hinweis: mein Arbeitgeber ist maechtig stolz auf seinen Roboter "Pepper"... Jo
AntwortenLöschencool. und was treibt der bei Euch so?
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